Einen Tag nach Veröffentlichung meines letzten Blog-Beitrags erreichte mich am 3. März per E-Mail die Antwort des Gesundheitsministeriums (BMASGPK) auf meine konkreten Nachfragen betreffend die Anzahl von Geschlechtern und die ministeriellen Definitionen von Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung (das Schreiben selbst war allerdings mit 25. Februar datiert).
In der ursprünglichen Beantwortung meiner Anfrage betreffend das Verbot von Konversionsmaßnahmen und den „genderaffirmativen“ Ansatz bei der Betreuung und Behandlung sogenannter Trans-Kinder und Trans-Jugendlicher hatte das Ministerium zwar die höchst umstrittene Frankenstein-Medizin in diesem Bereich kompromisslos verteidigt, war jedoch mit keinem Wort auf diese konkreten Fragen eingegangen.
Auch in ihrer ergänzenden Stellungnahme drückt sich das Ministerium wieder um eindeutige Aussagen zu bestimmten Fragen – dies mitunter aber sehr wortreich. Auf meine Frage, wie viele biologische Geschlechter es für das BMASGPK gebe, hätte ich mir eigentlich eine kurze Antwort, ja eine einzige Zahl erwartet. Stattdessen hält das Ministerium einen Biologievortrag und doziert eine ganze Seite hinweg über die Definition des biologischen Geschlechts, ohne sich auf eine Zahl festzulegen. Allerdings muss man aus den Ausführungen des Ministeriums schließen, dass es auch für dieses nur zwei Geschlechter gibt – plus Varianten bzw. Abweichungen davon, die man „als Intergeschlechtlichkeit bezeichnet“. Von einem dritten oder gar noch mehr Geschlechtern ist jedenfalls keine Rede. Das ist zwar einerseits beruhigend, allerdings wird auf dem vom BMASGPK betreuten Online-Gesundheitsportal etwas anderes behauptet (siehe später).
Widersprechen muss man dem Ministerium jedoch bei den Definitionen der englischen Begriffe „sex“ und „gender“, wobei ich diese vom Ministerium ebenfalls gar nicht wissen wollte. Es ist allerdings kompletter Unsinn zu behaupten, im Englischen werde „in Abgrenzung zum sozialen Geschlecht ,gender‘ in der Regel der Begriff ,sex‘“ für das biologische Geschlecht verwendet. Ja, es stimmt, man liest und hört das seit Jahren und Jahrzehnten überall; in allen einschlägigen und mehr oder weniger „offiziellen“ Definitionen wird das behauptet, und alle plappern es nach. Vermutlich lernt man das auch genauso auf der Uni im ersten Semester Queer-Studies.
Aber jedem, der diese Begriffe in letzter Zeit gelesen oder selbst verwendet hat, muss doch aufgefallen sein, dass diese Begriffe völlig willkürlich und unterschiedslos, eigentlich schon synonym verwendet werden bzw. dass „sex“ von „gender“ fast völlig verdrängt worden ist. Und das hat in erster Linie damit zu tun, dass „sex“ im Englischen eine zweite Bedeutung hat, nämlich genau dieselbe wie im Deutschen, nämlich Sex bzw. Sexualität. Deswegen hat es im Englischen immer diese Bemühungen gegeben, den Begriff „sex“ zu vermeiden, wenn es nicht um Sex geht. „Sex roles“ (Geschlechterrollen) etwa klingt halt einfach nicht so gut wie „gender roles“. Und was genau wären übrigens „sex roles“ im Unterschied zu „gender roles“?
Und selbst wenn man sich mit dieser Thematik nicht auf englisch, sondern nur auf deutsch auseinandersetzt, muss einem das anhand der englischen Begriffe klarwerden, die wir im Deutschen verwenden: z. B. Gender-Mainstreaming, Gender-Pay-Gap, Gender-Medizin usw. Hier geht es doch nicht ums soziale, sondern ausschließlich ums biologische Geschlecht, denn die Gehaltsunterschiede, die mit dem Gender-Pay-Gap (eigentlich laut Ministeriumsdefinition „sex pay gap“) bezeichnet werden, betreffen ja jene zwischen Frauen und Männern und nicht jene zwischen Männern, die sich als Mann fühlen, und Männern, die sich als Frau fühlen. Und bei der Gender-Medizin geht es ebenfalls um die Unterschiede zwischen Frauen und Männern, etwa bei der Dosierung von Medikamenten oder der Diagnose bzw. Früherkennung von Herzinfarkt oder Schlaganfall. Männer, die sich nur als Frau fühlen, aber nicht operiert sind, wären daher schlecht beraten, die Prostata-Vorsorge zu vernachlässigen oder Hodenkrebs zu ignorieren.
Besagte Definitionen sind inzwischen leider so tief verwurzelt, dass man sie wahrscheinlich nicht wieder loswerden wird. Dennoch plädiere ich dringend dafür, denn sie ergeben eigentlich keinen Sinn. Im Deutschen bietet sich an, „Gender“ komplett aus dem Wortschatz zu streichen und durch „Geschlecht“ zu ersetzen.
Das behauptete „soziale“ Geschlecht wird ohnehin durch „Geschlechtsidentität“ abgedeckt, jedenfalls nach der Definition des Ministeriums, gegen die ich grundsätzlich nichts einzuwenden habe. Wenn Geschlechtsidentität also das persönliche Bewusstsein über die eigene Geschlechtszugehörigkeit bzw. die Identifikation damit abbildet, bedeutet dies, dass diese Identifikation aufgrund der eigenen im Laufe des Lebens angenommenen Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit erfolgt. Sie ist also das Ergebnis einer individuellen und persönlichen Verarbeitung von gesellschaftlich angebotenen Geschlechterrollen und Geschlechterstereotypen. Geschlechtsidentität ist nichts Angeborenes, sondern etwas Erworbenes. Und eben etwas total Individuelles. Da es keine starren bzw. allgemein gültigen Definitionen für eine weibliche oder eine männliche Geschlechtsidentität gibt und sich in unserer modernen Zeit die starren Geschlechterrollenklischees ohnehin immer mehr auflösen, müssen die Vorstellungen davon, was (schon/noch) weiblich oder (schon/noch) männlich ist, individuell dermaßen variieren, dass es letztlich darauf hinausläuft, dass es so viele Geschlechtsidentitäten wie Menschen gibt.
Eine entsprechende Bereinigung der Terminologie würde jedenfalls den Diskurs erleichtern, wobei ich den Verdacht hege, dass genau deswegen ein Interesse besteht, die Begriffsverwirrung aufrechtzuerhalten und durch immer weitere Verästelung und Aufdröselung des Themas und der Phänomene ein Elite- und Herrschafts(pseudo)wissen von und für Insider zu schaffen und dadurch eine breitere Debatte zu verunmöglichen. Die Leute wenden sich – teilweise mit Grauen – ab, weil sie einfach keine Zeit und Ressourcen haben, um sich sinnvoll einzubringen, bzw. ihnen die Sache zu akademisch und für ihren Alltag ohnehin zu irrelevant erscheint. Durch diese bewusste Abschreckung und Einschüchterung wird Kritik und Widerspruch vereitelt. Damit wird das Diskurs-Feld den durchgeknallten „Gender“-Ideologen überlassen – mit den verheerenden Folgen einer ungehinderten Manipulation, Verengung und Monopolisierung der Debatte.
Institutionen und Ministerien bzw. deren „gewöhnliche“ Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind – wie man im konkreten Fall hier so anschaulich sieht – damit ebenfalls total überfordert. Die Sache ist inzwischen dermaßen aufgeblasen und kompliziert geworden, dass es offensichtlich nicht mehr reicht, das Personal mit einigen wenigen Nachschulungen auf Linie zu bringen. So einfach funktioniert Gehirnwäsche halt doch wieder nicht. Und so muss es zwangsläufig zu dermaßen inkonsistenten Delirien kommen. Mangels eigener Kapazitäten bleibt den Leuten gar nichts anderes übrig, als auch den größten irrationalen und unwissenschaftlichen Unsinn zu übernehmen und zu vertreten – klassisches pflichterfüllendes Mitläufertum eben.
Wer sich tiefer in die österreichischen Abgründe dieser Definitionen begeben will, dem seien die beiden folgenden Webseiten empfohlen:
Das öffentliche Gesundheitsportal Österreichs – eine Webseite, die vom BMASGPK betreut wird. Hier findet man Aussagen wie: Queer orientierte Menschen lehnen starre Einteilungen ab, wie Mann oder Frau, heterosexuell oder homosexuell. In der woken Community werden Lesben und Schwule kritisiert, wenn sie es ablehnen, sich als „queer“ zu bezeichnen! Doch warum sollte man als Lesbe oder Schwuler die Einteilung in „homosexuell“ ablehnen? Und ohne starre Einteilung in Mann und Frau auch keine Homosexualität! Daher: Ich bin schwul und nicht queer!
Und man findet hier einigermaßen gewagte Neudefinitionen, die mir das Ministerium in seinem Schreiben nicht explizit zugemutet hat: „Asexuell“ und „pansexuell“ gelten neuerdings als sexuelle Orientierungen. Und zu „pansexuell“ lernen wir: So bezeichnen sich Menschen, die sich von mehr als zwei Geschlechtern angezogen fühlen. Selbst wenn man Intersexualität zwar nicht als eigenes Geschlecht, sondern als ein „Mehr“ zu den beiden Geschlechtern betrachtet, fiele das Phänomen, sich explizit von intergeschlechtlichen Menschen sexuell angezogen zu fühlen, wohl eher in die Kategorie „Fetisch“ als in die Kategorie „sexuelle Orientierung“.
Die einschlägigen Informationen auf dem Website der Stadt Wien sind zum Teil ebenfalls nicht ohne. Da wird etwa behauptet: Alle Menschen haben eine Geschlechtsidentität. Fürs Protokoll: Ich habe keine und werde mir auch keine zulegen.
Und „soziales Geschlecht“ wird dort wie folgt definiert: Wird durch soziale Anerkennung bestimmt. Es ist jenes Geschlecht, das durch das soziale Umfeld zugewiesen wird.
So habe ich das noch nie gehört. Aber als Ergänzung hat man dort zusätzlich ein „Identitätsgeschlecht“ kreiert – gefühlt jedes Monat wird die Palette erweitert. Wenn jedenfalls „gender“ etwas anderes als das biologische Geschlecht sein soll, dann ist es – nach dieser Definition – wohl eher das Identitätsgeschlecht und nicht das soziale Geschlecht. Hier scheint das Gesundheitsministerium noch nicht auf dem aktuellen Stand der Gender-Schwurbelei zu sein.
Eigentlich kann man solche Definitionen nicht ernst zu nehmen, auch wenn es so dargestellt wird, als seien sie autoritativ oder hätten irgendeine wissenschaftliche Grundlage oder gar offiziellen Charakter.
Interessant wird es wieder bei der Beantwortung meiner Frage, welche (konkreten) sexuellen Orientierungen es nach Auffassung des BMASGPK gibt. Hier verwendet das Ministerium einen wortidenten (!) Textbaustein, der mir schon aus den Erläuterungen zum Gesetzesentwurf für ein Konversionstherapieverbot bekannt ist: Es wird zwischen verschiedenen sexuellen Orientierungen unterschieden, wobei die gesellschaftlich bekanntesten sexuellen Orientierungen Homosexualität, Bisexualität und Heterosexualität sind.
Über diesen Gemeinplatz habe ich mich schon in meinem Blog-Beitrag vom 17. Juli 2025 lustig gemacht: Wieso „gesellschaftlich bekanntesten“? Gibt es weniger bekannte als die drei genannten? Will man uns da welche unterjubeln? Und wo wären diese dann bekannt, wenn nicht in der Gesellschaft?
Etwas perplex und verständnislos lässt mich jedoch der letzte Satz in diesem Schreiben zurück, wonach „eine zahlenmäßige Beschränkung“ der sexuellen Orientierungen „nicht sachgerecht“ sei. Was soll das heißen? Will uns das Ministerium welche unterjubeln? Stutzig macht mich das deshalb, weil ich in meiner Nachfrage ausdrücklich darauf hingewiesen hatte, dass es in Deutschland Versuche gibt, dass etwa durch die Aufnahme von „sexueller Identität“ in die Verfassung auch Pädophilie miteinbezogen wird. Beabsichtigen Sie, eine solche mögliche Auslegung von „Geschlechtsidentität“ (oder eine solche, durch die Fetische oder Paraphilien umfasst werden) zu verhindern, und wenn ja, wie? Ist sich das Ministerium dieser Problematik überhaupt bewusst?
Das Ministerium weigert sich weiterhin, diese Frage zu beantworten – und formuliert stattdessen einen dermaßen kryptischen Satz. Da muss man ja fast gezwungenermaßen darüber spekulieren, ob sich die vom Ministerium nicht erwünschte, weil nicht sachgerechte zahlenmäßige Beschränkung womöglich auf Pädophilie bezieht. Ich fürchte, ich werde das Ministerium noch einmal mit einer Nachfrage belästigen müssen.
Abschließend noch eine Bemerkung zum sprachlichen „Gendern“, denn im letzten Absatz des Schreibens findet sich eine sprachliche Stilblüte der Sonderklasse: „der:des gewünschten Partner:in(nen)“. Auch hier manifestiert sich dramatisch die Überforderung der Anwenderinnen und Anwender bei der Umsetzung völlig unlogischer woker Vorgaben. Wiewohl die öffentliche Verwaltung bekanntlich rechtlich verpflichtet ist, sich in ihrer Textproduktion an das vom Rat für deutsche Rechtschreibung herausgegebene Amtliche Regelwerk zu halten, verwendet das BMASGPK (wie übrigens alle SPÖ-geführten Ministerien) nicht regelwerkskonforme Wortbinnenzeichen. Im konkreten Fall fehlt auch einmal mehr das Genitiv-S bei „des Partners“ (vgl. dazu meine Blog-Beiträge u. a. vom 24. 10. 2025 sowie 30. 10. 2025).
Diese Haltung der roten Ministerien inklusive des Justizministeriums (!) ist Trumpismus übelster Sorte: Was kümmern uns rechtliche Vorschriften? Wir ziehen das einfach durch. Wer soll uns daran hindern? Dieses missionarische und dogmatische Eiferertum, von dem man nicht nur in dieser Sache, sondern auch in Sachen Körperverstümmelung von Kindern und Jugendlichen beseelt ist, ist abstoßend und beängstigend, weil es wirklich autoritäre, ja faschistoide Züge trägt.
Ich kenne kein anderes Land, wo aus höchst fragwürdigen ideologischen Motiven heraus die eigene Sprache von Staats wegen derart verstümmelt wird. Insgesamt tritt hier ein deprimierender Selbsthass zutage. Die SPÖ will offenbar den eigenen Todestrieb dem ganzen Land überstülpen. Thanatos lässt grüßen.
Wer sich mit den zahlreichen – sich zum Teil widersprechenden – Definitionen von Geschlecht, Gender, Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung noch intensiver auseinandersetzen will, dem sei ein Beitrag von Till Randolf Amelung empfohlen (in deutscher Fassung trotz des englischen Titels).
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