In der Ende März erschienenen Ausgabe 2/2026 des nach Eigendefinition „feministischen“ Magazins an.schläge – hier zeigt sich einmal mehr ganz deutlich, wie hochproblematisch Selbsteinschätzung und Self-ID in der Praxis sein können! – arbeiten sich gleich zwei Autorinnen an einer „extremen Ideologie“ ab: Lea Susemichel und Brigitte Theißl warnen – unter Mitarbeit der Trans-Aktivistin Viola Wagner – eindringlich vor den „fatalen Konsequenzen“ jener „gefährlichen Allianzen“, die vermeintlich entstehen, wenn sich „transfeindlicher Feminismus“ angeblich mit „rechter Politik“ verbündet. Ihre Kritik richtet sich vor allem gegen FAIKA EL-NAGASHI und das von ihr gegründete Athena Forum und wird immerhin über sage und schreibe vier volle Seiten ausgewalzt – keine einzige Illustration lockert die Bleiwüste auf (die Online-Version ist noch länger). Danke jedenfalls für die Werbung.
Es zahlt sich nicht wirklich aus und wäre wohl auch völlig müßig, auf die „Argumente“ bzw. unlogischen, inkonsistenten, hanebüchenen, ja wirren Ausführungen der beiden Autorinnen und den lächerlichen Thesen, die sie von anderen übernommen haben, im Detail einzugehen. Es handelt sich großteils um das altbekannte Gender-Geschwurbel, teilweise so dermaßen schräg, dass die Schwurbeleien von Impfgegnern, Corona-Leugnern oder anderen Esoterikern im Vergleich dazu wie Leuchttürme der Aufklärung anmuten. Jede und jeder kann das gerne selbst nachlesen.
Ich möchte hier viel lieber grundsätzlicher auf zwei Aspekte bzw. Phänomene eingehen, die mir – ehrlich gesagt – in diesem Zusammenhang (und nicht nur beschränkt auf den an.schläge-Artikel) ziemlich rätsel- und schleierhaft erscheinen: einerseits auf die sektoide und obskurantistische Ablehnung von Biologie und Naturwissenschaften und andererseits die bedingungs- und kompromisslose Unterstützung von Männerforderungen.
Ich verstehe nicht, warum es so schwierig ist, sich damit abzufinden, dass es nur zwei biologische Geschlechter gibt. Wozu diese an Orwell gemahnenden Beschwörungen und Versuche, so lange eine offenkundige Unwahrheit zu verbreiten, bis sie zur vermeintlichen Wahrheit wird? Und was würde es – im Kampf für die Gleichstellung von Frauen – konkret bringen, die Geschlechterbinarität zu überwinden? Würde dadurch das Patriarchat einfach verschwinden und würden sich die Machtverhältnisse zwischen Männern und Frauen dann wie von Geisterhand automatisch in Luft auflösen? Warum macht man sich mit der Behauptung lächerlich, (biologisches) Geschlecht sei ein Spektrum? Das ist ungefähr auf derselben Stufe, wie die Existenz der Schwerkraft infrage zu stellen oder zu behaupten, die Erde sei eine Scheibe.
Sich mit dem Brustton der Überzeugung auf neueste Erkenntnisse moderner biologischer Forschung zu berufen ist völlig absurd, Geschwurbel in Reinkultur. Welche, bitte, sollen das sein? Es gibt in den gesamten Naturwissenschaften niemanden, der oder die ernsthaft die These vertreten würde oder gar den Beweis dafür erbracht hätte, dass es mehr als zwei biologische Geschlechter gebe bzw. dass das biologische Geschlecht ein Spektrum sei. Für eine solche in der Tat epochale Erkenntnis hätte es sicherlich mindestens einen Nobelpreis gegeben. Und wir hätten alle davon erfahren. Mag sein, dass irgendwelche Quacksalber derartige Thesen aufstellen, um sich wichtig zu machen. Aber nicht böse sein: Das kann und muss man nicht ernst nehmen. Und jetzt bitte nicht mit der Intergeschlechtlichkeit daherkommen! Bei Intersexualität handelt ist weder um ein drittes Geschlecht noch um einen Beweis dafür, dass Geschlecht ein Spektrum sei. Und zum Thema „nichtbinär“ erlaube ich mir, auf einen ausgezeichneten Beitrag von Rona Duwe zu verweisen – darin ist alles gesagt.
Abgesehen davon ist es strategisch unklug, auf solchen transfeministischen Dogmen zu beharren, die niemals mehrheitsfähig sein werden – auch und gerade nicht unter Frauen. Die Überfrachtung des Kampfes für die Gleichstellung der Geschlechter mit queer- und gendertheoretischem Unfug, ja Müll, ist doch höchstens eine kontraproduktive Ablenkung, mit der man nur den Gegnern der Gleichstellung eine Freude macht. Würde man den Ball pragmatisch flachhalten, wäre sicherlich mehr zu erreichen. Aber offenbar geht es den sogenannten inklusiven (Trans-)Feministinnen gar nicht darum, erfolgreich zu sein, sondern bloß um ihr narzisstisches Virtue-Signalling, ihre „reine Lehre“. Das Scheitern ist natürlich vorprogrammiert, aber man will ja seine Opferrolle eh nicht verlieren.
Da die Gender-Schwurbler mit diesen Argumenten also nicht wirklich überzeugen können, müssen sie parallel dazu noch eine andere Strategie fahren: Verwirrung stiften durch die Vermantschung der Begriffe, worüber ich schon in meinem letzten Blog-Beitrag geschrieben habe: (Biologisches) Geschlecht wird regelmäßig mit Gender bzw. Geschlechtsidentität (die ausschließlich auf subjektiven Vorstellungen von Geschlechterrollen(klischees) bzw. Geschlechterstereotypen beruhen) gleichgesetzt, um dann behaupten zu können, es gehe bei Geschlecht eigentlich um Geschlechtsidentität bzw. umgekehrt. Würde man die beiden Begriffe strikt auseinanderhalten, wäre der Diskurs für alle einfacher, man würde auch nicht ständig aneinander vorbeireden, aber das ist natürlich nicht im Sinne der Gender-Schwurbler.
Paradigmatisch für diese „Verwirrung“ war auch die Ö1-Sendung am 13. April 2026 unter dem Titel Fakten auf den Tisch! Wie viele Geschlechter gibt es wirklich? Der Erkenntnisgewinn daraus war eher bescheiden, denn natürlich war auch nach dieser Sendung klar, dass es nur zwei biologische Geschlechter gibt. Die Frage war einfach falsch gestellt. So wie das Thema diskutiert wurde, hätte sie lauten müssen: Soll das Merkmal „Geschlecht“ durch das Merkmal „Geschlechtsidentität“ ersetzt werden – etwa in der staatlichen Verwaltung in Sachen Personenstand – und wenn ja, warum?
Noch unverständlicher sind für mich nur noch die Verve und Unterwürfigkeit, mit welcher sich die Verfechterinnen des sogenannten Transfeminismus bei der Verwirklichung von Männerfantasien ins Zeug legen. Ohne Rücksicht auf Verluste wird hier die Frauenrechtsbewegung gespalten, werden potentielle Mitstreiterinnen nicht nur vor den Kopf gestoßen, sondern in komplett unsolidarischer Weise ausgegrenzt. Transfeministinnen nehmen eine beispiellose Schwächung der Frauenbewegung in Kauf, bloß um einer vergleichsweise winzigen Gruppe von Männern ideologisch den roten Teppich auszurollen. Nützlichere Idiotinnen des Patriarchats kann man sich jedenfalls nicht vorstellen.
Dieses sitzt feixend erste Reihe fußfrei und schaut seinen willigen Vollstreckerinnen, den Transfeministinnen mit ihren extremen Partikularinteressen für eine Handvoll Männer, genüsslich dabei zu, wie sie seine Geschäfte besorgen und den wahren Feministinnen und deren mehrheitsfähigen Anliegen in den Rücken fallen und damit der Sache der Frauengleichstellung insgesamt immensen Schaden zufügen.
Wobei sich mittlerweile der Verdacht aufdrängt, dass es sich eher schon um eine fünfte Kolonne handelt, die bewusst mit dem „Feind“ kollaboriert, denn so verblendet kann doch niemand sein, dass sie nicht merkt, dass sie hier für eine fremde Sache manipuliert wird.
Und diese Manipulation ist in der Tat einigermaßen erstaunlich. In einer Zeit, da man nicht einmal im Indianerkostüm bei einem Faschingsfest aufkreuzen kann, ohne von einem woken Bannstrahl getroffen zu werden, da Blackfacing total verpönt ist oder ernsthaft diskutiert wird, ob etwa ein heterosexueller Mann auf der Bühne oder im Film überhaupt einen Schwulen spielen darf, lassen selbsternannte Feministinnen ausgerechnet Männern den Gipfel von Aneignung durchgehen: Wie gehirngewaschene Groupies hängen sie an den Guru-Lippen von Männern, die ihnen erklären, was eine Frau ist und wie man sich als Frau fühlt. Mehr Mansplaining und Misogynie gehen wohl kaum.
Mittlerweile habe ich aufgehört, verstehen zu wollen, warum diese Frauen darauf abfahren und reinfallen. Es ist wohl einerseits diese internalisierte Empathie-Erwartung an bzw. bei Frauen, wobei es sich hier wohl schon um einen Fall von „suizidaler Empathie“ handelt; und andererseits eine toxische Mischung aus Helfer- und Stockholmsyndrom.
Besonders verstörend finde ich, mit welchen Exemplaren von Männern sich frau da gemeinmacht – und welche „Ideen“ frau da unterstützt. Mag sein, dass mir der böse Algorithmus nur eine vorwiegend negative Auswahl auf mein Facebook-Account spielt, aber was ich da zu sehen bekomme, ist alles andere als schön: die reinste Freakshow, ein Panoptikum von zumeist ziemlich unsympathischen, grindigen, grauslichen und offensichtlich ebenfalls narzisstisch schwergestörten Typen, die da behaupten, sich als Frauen zu fühlen und eine Frau zu sein und dabei bemitleidenswerte Karikaturen von Frauen abgeben – offenkundig handelt es sich dabei meist um schwere Fälle von Autogynophilie. (Man möge mir ersparen, die entsprechenden Links zu setzen.) Fällt es nur mir auf, dass in dieser Debatte fast ausschließlich Männer im Mittelpunkt stehen?
Das Ganze gipfelt dann in der Behauptung dieser Männer (mit Penis!), eine Lesbe zu sein, und in der Forderung, lesbische Frauen müssten sich mit ihnen einlassen. Dass „Feministinnen“ diesen Unsinn übernehmen und sich zu eigen machen, kann man wohl nur als masochistische Unterwerfung im Endstadium bezeichnen – jedenfalls ist es das Gegenteil von Frauenemanzipation.
Dass sich diese „Feministinnen“ vehement dafür einsetzen, dass Männer (mit Penis), die sich selbst zu Frauen erklärt haben, sich dann in allen Frauen- und Lesbenräumen breitmachen und im Frauensport mitmischen und dort den Frauen Medaillen, Ruhm und Preisgelder wegnehmen dürfen, wundert dann auch nicht mehr – und ist eh schon Wurscht.
Doch nicht nur bei den an.schlägen ist man so drauf. In Deutschland hat unlängst Sophie Koch von der SPD verdiente Frauenrechtlerinnen auf niederträchtigste Art angegriffen. Sie ist „Queerbeauftragte“ der Bundesregierung – ja, so etwas gibt es dort. Ihr voller Titel lautet: „Beauftragte der Bundesregierung für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt“. Aus Anlass des internationalen Tages der Trans-Sichtbarkeit postete sie am 31. März auf Instagram – in ziemlich schlechtem „Der Stürmer“-Stil – eine Fotomontage mit J. K. Rowling, Alice Schwarzer und Donald Trump sowie dem Spruch „Frauen- und trans*-Rechte nicht gegeneinander ausspielen!“ (siehe Faksimile oben). Zur ausführlichen Kritik daran siehe den Beitrag von Thomas Schmid auf welt.de.
Wer angenommen hat, für die Queerbeauftragte müsste eine solche grobe Entgleisung entsprechende Konsequenzen nach sich ziehen, irrte gewaltig. Das CDU-geführte Familienministerium, an die Kochs Stelle ressorttechnisch angebunden ist, stellte sich schützend vor die Queerbeauftragte, die sich nicht einmal entschuldigen musste – offenbar war den Konservativen der Koalitionsfriede wichtiger als eine klare Stellungnahme gegen diese erbärmliche misogyne Hetze (siehe dazu einen weiteren Beitrag von Helmut Schmid auf welt.de und eine Zusammenfassung von Reaktionen durch EMMA).
Im lächerlichen Vorwurf, Feministinnen, die in der Tradition der Aufklärung auf Vernunft, Fakten, Biologie und Realität bestehen, würden damit rechten Fundamentalisten in die Hände spielen, sind sich die Queerbeauftragte und die an.schläge-Autorinnen jedenfalls einig. Doch dabei handelt es sich um eine reine Projektion. Würden die Transfeministinnen über ihre eigene Rolle nur ein wenig reflektieren, müssten sie wohl zum Schluss kommen, dass es vielmehr sie sind, die durch ihre aggressiven und extremen, pseudo-feministischen Minderheitenpositionen die Gesellschaft spalten und die Wähler und vor allem die Wählerinnen den rechten Parteien in die Arme treiben.
Mit diesem Thema haben ich mich früher bereits in folgenden (Blog-)Beiträgen befasst:
Der „Genderwahn“ existiert tatsächlich
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